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Toskana

Toskana-Maremma 2011

Vom 14. bis 21.07.2011 waren wir spontan in der Toskana (nachdem der Wetterbericht unsere geplante 5-Flüsse-Radtour vermiest hat).

14.07.11

7,5 Stunden fährt man von München nach Montieri in der Toskana. Montieri ist ein sehr altes, ehemaliges Bergbaustädtchen mitten im Wald der Maremma. Zugänglich nur über sehr kurvenreiche Sträßchen die Hügel rauf und runter. Für Romanisten ist Montieri bedeutsam, da dort 1219 eine der ersten schriftlichen Zeugnisse der Italienischen (Volgare) verfasst wurde. Heute ist es dort sehr sehr ruhig.

Das Hotel Rifugio Prategiano ist modern, bietet Pool und Whirlpool und wird wohl von naturliebenden Wanderern, Mountainbikern, Motorradfahrern und vor allem Reitern bevorzugt. Das Hotel verfügt über eigene Ställe und Pferde und bietet Reittouren. Das Essen dort war immer exzellent: gute deftige Hausmannskost der Toskana, viele Eintöpfe, Wild etc.

15.07.11

Wir sind nach Sasso Pisano gefahren. Dort gibt es geothermische Felder, die wir auf einer Wanderung besucht haben.. Schwefeliger heißer Dampf ströhmt dort an vielen Stellen spontan aus der Erde (was auch schon seit langem zur Stromerzeugung genutzt wird). Ganze Hänge sind daher unbewachsen und schotterig; die einzigen Farbtupfer sind das Gelb und Orange des Schwefels und Eisenoxids auf den Steinen. Doch auch sonst ist diese gut beschilderte Wanderung zu empfehlen: Abwechslungsreiche Vegetation mit Farnwäldern, Eichen, Wacholder, Ginster. Die Bergkuppe ist komplett ein eingezäunter Bauernhof: rosa-schwarze schreckhafte Schweine (sehen aus wie die Schwäbisch-Halleschen) laufen wild durch den Wald und fressen Eicheln. Immer wieder gibt es schöne Ausblicke in die Landschaft und fauchende “Fumerolen”.

Nach einer Ricotta-Pfeffer-Pasta in einer Trattoria haben wir noch Massa Marítima besichtigt: eher enttäuschend. Es reicht den Platz vor der Kirche (mit schöner Fassade) und die umliegenden mittelalterlichen Paläste zu betrachten. Eis ist dort schlecht und überteuert. 20 Minuten reichen völlig für diese Stadt.

16.07.11

Zuerst ging es zur Kirchenruine von San Galgano. Das ist ein Pflichttermin, wenn man in der Gegend ist. Am Ende einer langen Allee steht das Kirchenschiff ganz allein in den Sonnenblumenfeldern. Alle gotischen Seitenwände stehen - aber das Dach ist längst eingestürzt. Ein ungewohnter und faszinierender Anblick. Im Sommer ist der Innenraum bestuhlt für Open-Air-Aufführungen.

Weiter ging es nach Siena, wo man übrigens auch Samstags problemlos Parkplätze in der Innenstadt findet. Beeindruckt haben uns:

  • San Domenico: Eine riesen große, fast schmucklose Hallenkirche ohne Seitenschiffe mit einem bemerkenswerten Raumgefühl.
  • Der befestigte Brunnen Fontebranda.
  • Der Dom natürlich. So viel Pracht, die trotzdem noch elegant schwarz-weiß gestreift daherkommt, sieht man selten.
  • Das Dommuseum, vor allem um auf den Gewölbebogen des gescheiterten Domerweiterungsprojekts zu gelangen. Die Aussicht von dort oben ist wirklich klasse. Über die Dachlandschaft Sienas sieht man von dort weit hinaus ins Land mit den Weinbergen und Landhäusern.
  • Die Domkrypta war eigentlich eher stimmungsvoll und kurios; ein Zwischengeschoß. Wäre es nicht im Sammelticket dabei lohnte sie den Besuch nicht.
  • Das Dombaptisterium ist zwar viel bunter als die Krypta. Aber auch nicht so inspirierend, daß man extra hineinmüßte.
  • Der Campo, den man halt gesehen haben muß. Wobei die Paläste am Rand, die doch angeblich in der Renaissance mit großem gestalterischem Regelwerk als Gesamtkunstwerk erzwungen wurden, letztlich arg schlicht sind.

In Monteriggione war gerade das “Festa Medievale” - das Mittelalterfest, das wohl immer Mitte Juni stattfindet. Das heißt vor allem erst mal, daß die Stadt dann 10 € Eintritt kostet. Das kann man in der kleinen Stadt mit vollständiger Stadtmauer mit wenigen Toren auch gut durchsetzen mit ein paar hellebardenbewehrten Torwächtern. :-) Es kommen hunderte von Besuchern. Man sollte aber keinesfalls vor 18 Uhr kommen und es hilft Italienisch zu können. Insgesamt ist es eher lustig, als historisch korrekt aufgezogen. Ein Spaß bestimmt für die vielen Kinder. Das Städtchen (eher ein Wehrdorf) selbst ist aber sicher einen kurzen Besuch wert.

Nach San Gimminiano fahren ohnehin alle Toskana-Besucher - wir auch. Es ist aber auch schön, trotz des Rummels. Abends haben wir exzellent in einer Trattoria in einer Seitenstraße gegessen.

17.07.11

Nur am Pool entspannt.

18.07.11

Heute waren die Etruskerausgrabungen von Vetulónia dran. In der “Scavi di cittá” sahen wir die Reste eines Bergbaudörfchens: Zisternen, Brunnen, gepflasterte Straße, gemauerte Häuser, ein Tunnel .... Für das Alter schon erstaunlich.Das mittelalterliche Städtchen Vetulónia lädt zum Bummeln ein, man sieht auch (in ein Haus eingemauert) Reste einer etruskischen Mauer. Von der Stadt kann man bis zum entfernten Meer schauen. Heute kaum mehr vorstellbar, daß dieses Landstädtchen oberhalb eines Hafens lag, da die Felder davor früher eine schiffbare Lagune (der Prile-See, Lacus Prelius) war. Erst im Mittelalter verlandete und machte die ganze Maremma zum Sumpf, der erst im 19. Jhr. trockengelegt wurde.

An einer schmalen Feldstraße liegen etruskische Hügelgräber aufgereiht: “Belvedere” (sehr einfach, lohnt kaum zu bremsen), “Pietrera” (wirklich beeindruckend, das schönste der drei besichtigten) und “Diavolina 2” (groß, aber dunkel und wohl nicht sehr original).

Dann ging’s nach Talomone am Meer zum Essen. Das Hafenstädtchen liegt am unteren Ende des Naturparks vor einem Marschland im Übergang zum Meer. Als Stadt würde man es eher nicht besichtigen, obwohl es nett ist. Wir haben auf jeden Fall überraschend gut zu Mittag gegessen.

Auf halber Strecke des Damms nach “Monte Argentario” haben wir einen Strandzugang gefunden und dann im Liegestuhl einige faule Stunden verbracht. Das Meer ist dort sehr flach und warm.

Abends in Porto Santo Stéfano haben wir Pizza gegessen (kein Fischlokal öffnet vor 20 Uhr und das war uns zu spät, da wir noch einige Kilometer zurückfahren mußten).

19.07.11

Wir sind nach Brenna gefahren an den Merse-Fluß. Durch eine sehr abwechslungsreiche Urwaldlandschaft ging der Weg am Fluß entlang. Eine Machete wäre gut gewesen gegen die vielen Brombeerranken. Immer wieder sieht man Zeugnisse des Mühlenbaus durch die Mönche im 14. Jhr. (ein sehr langer Mühlbach, Staumauern, Mühlenruinen etc.). Am Ricausa-Fluß konnten wir uns einer Gumpen abkühlen (saukalt - aber gut). Oben am Bergrücken sind wir auf die Burgruine Castiglion Balzetti gestoßen. Durch Korkeichen- und Kastanienwälder ging es wieder runter. Auf einer Wiese im Tal kamen uns 3 Wildschweinfrischlinge entgegen (zum Glück ohne Bache). Abgesehen von einer verirrten Familie mit Mountainbikes waren das die einzigen Lebewesen, die wir auf der Tour getroffen haben.

20.07.11

Gleich beim Hotel sind wir losgelaufen und rund um den Hügel “Poggio di Montieri”. Wieder ein netter Weg durch mediterrane Vegetation: Mal trocken mit Ginster etc., mal durch den Wald. Immer wieder sieht man Reste aufgegebener Landwirtschaft. Am Ende haben wir die erst vor 2 Jahren ausgegrabenen Ruinen der winzigen Kleeblatt-Kirche “Canonica di San Niccoló” betrachtet.

Den Nachmittag haben wir dann noch am Pool vergammelt (obwohl es nur T-Shirt-warm war). Abends haben wir dann sehr gut im Lokal Convento in Montieri gespeist.

21.07.11

Auf der Straße “Chiantigiana” ging es bis Castellina und weiter in das schöne Städtchen Radda. So haben wir einen Teil des Chianti-Gebiets gesehen. In Radda gab es eine deftige Wurst-Käse-Crostini-Platte und dann war der Kurzurlaub schon vorbei.

von Uli & Petra Bähr, geändert am 31.12.2015.
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